Süd-Sudan: keine Chance für Roboter-Journalisten

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Ich war als Journalist in Beirut, dem Yemen, Mali und diverse Male in Israel und dem Gaza-Streifen: aber noch nie war ich so froh, wieder in einem abhebenden Flugzeug zu sitzen als nach einer Reportage-Reise durch Teile des Süd-Sudan. Dass wir, als wir uns ein einziges Mal von den begleitenden Regierungsmitarbeitern entfernten, schon nach wenigen Minuten von einer Gruppe Männer in einen fensterlosen Verschlag geführt wurden, der angeblich eine Polizeistation war, ist einer der Gründe dafür. Nach heftigen Diskussionen durften wir nach eineinhalb Stunden wieder gehen, wir sprangen geradezu in das nächste Taxi. Ob die Männer, die sich zum Schluß lautstark über unsere Zukunft stritten, wirklich zur Polizei gehört haben? Wir werden es nicht erfahren und es spielt in diesem Land auch keine Rolle. Wer bewaffnet ist, hat Recht.

Als Ausgleich strahlende, neugierige Kinder in der Region Yei. So unbekümmert wie auf einem Schulfof hierzulande, ausreichend mit Essen versorgt, stolz darauf, zur Schule zu gehen, auch wenn das meist kilometerlange Fußmärsche bedeutet. 80 Kilometer weiter tobt der blutige Bürgerkrieg mit Kindersoldaten, Massenvergewaltigungen und Massakern, geführt von zwei Psychopathen, bei denen völlig egal ist, wer den Titel des „Regierungschefs“ oder des „Rebellenführers“ trägt. Es gibt keinen Unterschied, nur bei beiden das Ziel, das Land und die eigene Bevölkerung möglichst effizient auszubeuten.

Schon Journalismus kann hier nicht viel ausrichten, aber zumindest verhindern, dass die Welt von solchen „Konflikten“ gar nichts mehr erfährt. „Roboter-Journalismus“ kann hier gar nichts ausrichten. Denn selbst wenn es Daten zu ermordeten Kindern, verhungerten Familien und geschändeten Frauen gäbe, sie würden natürlich nicht stimmen.

 

 

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